Kunstfahrt 2017 zur „documenta 14“

Die documenta in Kassel ist die bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst weltweit. Seit 1955 zeigt sie alle fünf Jahre die aktuellen Tendenzen der Gegenwartskunst und bietet gleichzeitig Raum für neue Ausstellungskonzepte. In diesem Jahr ist Adam Szymczyk der künstlerische Leiter und sucht nach neuer Inspiration. So wechselt die documenta in Kassel nach 60 Jahren die Perspektive!  Unter dem Titel „von  Athen lernen“  ist die griechische Hauptstadt Athen zum ersten Mal gleichberechtigter Gastgeber, quasi eine Verdoppelung der documenta. Dadurch gewinnt sie eine neue Dimension hinzu, und der kritische Dialog kann beginnen. Die Hauptthemen der „documenta 14“ sind Flucht, Unterdrückung, Unsicherheit und Gewalt. In einen kritischen Dialog treten und Fragen aufwerfen wollten auch viele Mitglieder und Freunde des Kunstkreises Porta Westfalica und so machten sie sich am 1. Juli auf, diesem außergewöhnlichen Kunstereignis beizuwohnen.Schon von Weitem war die Arbeit der argentinischen Künstlerin Marta Minujin „Parthenon of books“ zu sehen, eine maßstabsgetreue Replik des Tempels der Athener Akrolopis. Sie setzt ein Zeichen gegen das Verbot von Büchern und gegen die Verfolgung ihrer Verfasser. Über 100000 verbotene Bücher weltweit wurden für die Realisierung des Werkes benötigt, jeder Besucher kann auch heute noch ein verbotenes Buch mitbringen. Auch einige Mitglieder der Portaner Gruppe hatten ein verbotenes Buch dabei. Alles zu sehen kann bei der Menge der Kunstwerke nicht realisiert werden, denn die Ausstellung ist über die ganze Stadt verteilt. So hat der Kunstkreis Porta Westfalica sich ganz auf einen zweistündig geführten Rundgang durch die Ausstellung im Fridericianum konzentriert. Das hat vorübergehend eine neue Inschrift über dem Portal erhalten: „Being safe is scary“ ( Sicher sein ist beängstigend). Diese Inschrift ist ein documenta- Beitrag der in Ankara geborenen Künstlerin Banù Cenntoglu. Im Fridericianum ist die Sammlung des Athener Museums für zeitgenössische Kunst mit Werken vorwiegend griechischer Künstler untergebracht. 230 Werke von siebzig Künstlern werden hier gezeigt. Viele sind in den letzten zwei Jahren entstanden, aber auch Kunstwerke aus der Zeit der Diktatur sind darunter.unächst ging es tief in das Gewölbe unter dem Fridericianum zum Filmprojekt „Good Luck“ von Ben Russells. Er beschreibt darin die soziale und globale Dimension der Politik, die mit der Gewinnung der Bodenschätze betrieben wird. Der US- amerikanische Künstler hat Arbeiter in der Goldmine in Surinam und in einer Kupfermine im serbischen Bor gefilmt. Scheinwerfer leuchten in verschwitzte Gesichter, Abgase ziehen durch die engen Stollen. Ben Russell lässt die Männer über ihre schwere Arbeit, über ihre Hoffnungen und ihr Wünsche sprechen.                                                     

In der Eingangshalle des Fridericianum wird ein farbenfrohes Mosaik auf den Boden projiziert. Besucher werden Teil des Mosaiks in vielen bunten Farben. Der Künstler Nikos Alexiou will hier das geometrische Muster eines orthodoxen Klosters in das digitale Zeitalter überführen. Dies ist die einzige Arbeit im Fridericianum, die sich mit der Schlüsseltechnologie unserer Epoche beschäftigt. Die  Video Arbeit „Looking for a Place“ von Nikos Navridis zeigt Personen mit Gummikappen  über den Köpfen, die während ihres orientierungslosen Umhertappens zwischen Ballons die Gummikappen über ihren Köpfen mittels ihrer Atemluft aufblähen und so folglich selbst zu Ballons mutieren.

Ganz oben im Museum präsentiert sich ein zerborstenes gläsernes Flaggen-Meer, und ein Stockwerk darunter zischt und blinkt es gruselig in Mona Hatoums verrotteter Fabrik. Und seit  der Eröffnung der documenta in Athen raucht es über dem Museumsgebäude in Kassel. Der Zwehrenturm hat sich in einen gewaltigen Schlot verwandelt. Der in Bukarest geborene Künstler Daniel Knorr hat das Kunstwerk  „Expiration Movement“  eigens für die documenta entworfen.

Auf eigene Faust erkundeten die Portaner Besucher zahlreiche Kunstwerke der documenta 14  im öffentlichen Raum. So die Röhreninstallation des in Berlin lebenden iranischen Künstlers Hiwa K , der bei seiner Flucht vor vielen Jahren in solchen Röhren Unterschlupf fand. In Kassel haben sich Studenten in den Röhren wohnlich eingerichtet. Es gibt ein Badezimmer, Kakteen als Deko, eine Küchenzeile, Bücherecken. Der Künstler will an Flüchtlinge erinnern, die in der griechischen Hafenstadt Patras in solchen Röhren hausen mussten. Ein 16 Meter hoher Obelisk aus Beton des nigerianisch stämmigen und in Amerika lebenden Künstlers Olu Oguibe steht auf dem Königsplatz, mitten in der Shopping- Meile, mit gold- arabischer Inschrift. Auf dessen Seiten ist in Englisch, Deutsch und Türkisch die Botschaft zu lesen: „ich bin Fremdling gewesen und ihr habt mich beherbergt“. Der Künstler hat damit  ein Symbol für das Leben im Exil errichtet. Trotz des Regenwetters am Nachmittag sind alle zufrieden, müde und mit vielen inspirierenden und aufrüttelnden Eindrücken von der Kunstexkursion zur „documenta 14“  nach Porta Westfalica zurückgekehrt.